Saatgutqualität - gewerblich nur was für Profis

Dieser Aspekt muss Saatgutaktivisten interessieren,
die ihr Saatgut gewerblich, also mit Gewinnerzielungsabsicht vertreiben möchten!

Im Saatgutverkehrsgesetz (u.a.) sind Kriterien definiert, was eine hohe Saatgutqualität ausmacht und zusätzlich Methoden und Aktionen beschrieben, die der Vermehrer zum Erreichen oder zum Beweis dieser Qualität erfüllen muss.

Nach diesem Gesetz besteht Qualität schon in der richtigen Sortenwahl, denn ausschließlich Saatgut vom Bundessortenamt (und der EU) zugelassener (registrierter) Sorten darf gesetzeskonform gehandelt werden.

Zusätzlich werden besondere Anforderungen an die Vermehrungsfläche, an Feldkontrollen und Kontrollen des Erntegutes gestellt. Zuletzt müssen noch Kennzeichnungsvorschriften eingehalten werden.

Die 4 Kriterien an denen Qualität professionell gemessen wird und die zugehörigen Methoden:

  • Sortenreinheit:
    Auf der Vermehrungsfläche darf längere Zeit kein Kreuzungspartner angebaut worden sein, vor allem dann nicht, wenn ausgefallene Samen m Boden überwintern könnten. Beikräuter allgemein und Kreuzungsfähige im Besondern müssen regelmäßig und vor allem vor der Saatguternte entfernt werden. Auch auf den umliegenden Feldern dürfen keine blühenden Kreuzungspartner in einem nach artspezifisch definiertem Abstand (zw. 300 – 1000m) angebaut werden. Selbst die Anzahl der Begehungen der Vermehrungsflächen (1 – 3x) ist vorgeschrieben.

  • Inzuchtvermeidung:
    Von der Vermehrungsfläche müssen mindestens so viele Pflanzen geerntet werden können, dass eine Inzucht sicher ausgeschlossen werden kann. Genaue Methoden sind nicht vorgeschrieben.

Meiner Erfahrung nach wird Saatgut für Endverbraucher, also für Hobbygärtner, viel zu wenig kontrolliert! Wie sonst könnte es sein, dass in Garten- oder Baumarktcentern gekaufte Tütchen mit schlechtem, kaputten, mit Schädlingsbesatz erhältlich sind?

  • Sauberkeit und Gesundheit:
    Nach der Saatgutaufbereitung ist gesetzlich festgelegt, wieviel Fremdbesatz (Bruchkorn, Unkrautsamen, Schmachtkörner, Samen anderer Sorten) eine Saatgutpartie enthalten darf und als oberstes Gebot, darf ausschließlich gesundes Saatgut verpackt werden.

Ausnahme: es sei denn, dass mittels Genschere eine Variante hervorgebracht wird, die "hypothetisch/theoretisch auch durch Zufall in der Natur hätte entstehen können". Ich benutze den Begriff "Naturidentisch" dafür, in Analogie zu den technisch hergestellten natürlich anmutenden Aromen der Lebensmittelindustrie (z.B. Vanillin).

  • Kennzeichnung:
    Pflichtangaben auf Verpackungen:
    Auf den Verpackungen muss die korrekte, d.h. registrierte Sortenbezeichnung, die Gemüseart mindestens in Deutsch und die sogenannte Saatgut – Kategorie, z.B. "Standardsaatgut" (=geringste Qualitätsanforderungen, darf gerade noch gewerblich verkauft werden) aufgedruckt sein.
    Das Erntejahr und eine Mindesthaltbarkeit werden von den meisten Firmen ebenfalls angegeben.
    Wenn Gentechnik am Werk war, dann muss dies fast ausnahmslos gekennzeichnet werden.

Kategorien: Standardsaatgut; Handelssaatgut; Behelfssaatgut, etc.… Elitesaatgut, Vorstufensaatgut, Basissaatgut, Zertifiziertes Saatgut, …Diese Art von Saatgutqualität kann durch akredietierte Labore geprüft werden.

Diese speziell für diese Tätigkeit zugelassenen Labore können die technische Reinheit, den Besatz, die Keimfähigkeit und Triebkraft, die Lebensfähigkeit und sogar die Sortenechtheit bestimmen. Sie wiegen das Tausendkorngewicht oder zählen die Samen in einem Gramm. Sie stellen die Feuchtigkeit fest und prüfen auf samenbürtige Krankheiten.

... und so setzen es die gewerblichen Profis um

1. Kriterium: Sortenreinheit

Profis beachten die gesetzlichen Mindestabstände zur nächsten Sorte von 200 – 1000 m oder sie isolieren Sorten in Käfigen oder Gewächshäusern oder sie nehmen die Bestäubung künstlich, d.h. händisch vor.

2. Kriterium: Degenerationsvermeidung

Auch Profis treffen keine Aussage dazu mit wie vielen Pflanzen sie nachbauen. Aber sie können mittlerweile Erbschäden schon über molekulargenetische Verfahren nachweisen. Sie sind im Erkennen von Inzuchtdepressionen geschult und vernichten solche Pflanzen bereits im Bestand.

3. Kriterium: Pflanzenhygiene

Professionelle Samenbaubetriebe müssen ihre Feldbestände regelmäßig inspizieren. Die Mindestanzahl an Begehungen ist vorgeschrieben. Das Saatgut, welches sie verkaufen darf nur einen festgelegten winzig kleinen Besatz an Bruchkörnern, fremden Samen und Spelzen haben. Das erreichen die Betriebe mit speziellen Reinigungsmaschinen. Saatgut von kranken Pflanzen darf gar nicht in Umlauf gebracht werden.

4. Kriterium: Transparenz und Vitalität

Professionelle, gewerbliche Vermehrer müssen sich an die Kennzeichnungsverordnung halten und sowohl die Sorte, als auch die Art und das Erntejahr angeben. Jedoch sind alle weiteren Angaben, etwa zur Mindesthaltbarkeit und der lateinische Name sowie Kulturangaben freiwillig.

Profis müssen angeben, ob es sich um "Standardsaatgut" handelt, damit kann sich der Käufer darauf verlassen, dass die Mindestkeimfähigkeit gegeben ist. Bei einem professionell durchgeführten Keimtest sind die Anzahl der Samen, die Temperatur und die Beobachtungsdauer, als auch das zu erreichende Ergebnis vorgeschrieben, z.B. 85% keimfähig.