Von Düngung zu Pflanzenentwicklung

In aller Kürze

Düngehinweise

Obwohl essentiell für Lebewesen und insbesondere als Bestandteil von Aminosäuren und sekundären Pflanzenstoffen (z.B. pflanzliches Alliin, tierisches Cystein, Methionin und Taurin) wird wieder seit der Jahrtausendwende mit Schwefel gedüngt. Denn erst in den späten 90iger Jahren nämlich griffen die Maßnahmen, die die Luft sauberer machten.

In humosen Böden ist in der Regel durch absterbende, organische Masse genügend Schwefel für ein gesundes Pflanzenleben vorhanden, sodass bei einer Kompost- und Mistwirtschaft zusätzliche Schwefeldüngegaben i.d.R. überflüssig sind.

Zudem ist in einigen Handelsdüngern Schwefel als willkommene "Verunreinigung" vorhanden.

Dass Schwefel lange Zeit nicht als Düngekomponente angesehen wurde, zeigt sich auch darin, dass es hinsichtlich der Interpretation von Bodenanalysen noch Unsicherheiten für die daraus folgenden Düngeempfehlungen gibt X) . Nur bei Anwesenheit von Schwefel kann auch der vorhandene Stickstoff seine gesamte Düngewirkung entfalten. Deswegen versucht man heute über den N/S-Quotienten eine Aussage zum Schwefelbedarf zu treffen.

Den N/S-Quotient ermittelt man an getrocknetem Pflanzenmaterial (auch wenn vorab ca. 1 kg Pflanzenprobe möglichst schnell in ein Analyselabor geschickt werden muss).

Man geht von einem Mangel aus, wenn der N/S Quotient unter 15 liegt X) . Ein Quotient über 17/1 zeigt gut genährte Pflanzen an.

Im Bioanbau darf nur eingeschränkt oder mit bestimmten Schwefelformen gedüngt werden. Erlaubt sind neben Kaliumsulfat, Patenkali, Kainit und Bittersalz auch Naturgipse.

Der Schwefelanteil in den Düngern wirkt recht schnell, was ihn auch für Blattdüngegaben prädestiniert. Andererseits wird Schwefel bei Dauerregen schnell ausgewaschen.

Nur der elementare Schwefel wirkt langsamer, ist aber aufgrund diverser Schutzverordnungen nur in Mischungen käuflich.

Je nach Standort erhalten unsere Böden zwischen 5 und 10 kg Schwefel pro Hektar und Jahr aus der Luft X) + (RÖBER, SCHALLER, 1992) .

Die BayWa AG ® empfiehlt deswegen bis zu 60 kg S pro Hektar jährlich hinzuzudüngen X) . Für mich stellt sich die Frage, ob diese Mengen den Boden nicht wieder langfristig versauern lassen, zumal vielerorts der auswaschende Regen auch weniger wird?

Pflanzen benötigen unterschiedlich viel Schwefel, so gehören Kartoffeln z.B. zu denjenigen mit niedrigem Bedarf, hingegen Leguminosen und Kreuzblütler zu jenen mit einem höheren Bedarf. Betarüben liegen dazwischen X) .

Pflanzen können Schwefel als sogenannte Transportproteine in ihren Blättern zwischenlagern um sie dann zum "Platz des höchsten Verbrauchs" weiter zu transportieren X).

Aber eigentlich geht es bei einer mit Augenmaß vollzogenen Schwefeldüngung wieder mal um das Bodenleben, welches wie wir Menschen auf dieses essentielle Element angewiesen ist. Ganz besonders profitieren die stickstofffixierenden Symbiosebakterien etwa von Erbsen, Bohnen und Co., denn der Schwefel ist ja erst in mineralisierter Form für die Pflanzenwurzeln verfügbar und das leisten eben die Bodenlebewesen.

Herstellung, Gewinnung, Aufbereitung

Elementarer (gediegener) Schwefel

Auch der giftige Schwefelwasserstoff spielt als Vulkan- und Deponiegas (neben dem Klimaschädling Methan) eine unrühmliche Rolle. Man erkennt den Faule-Eier-Gestank nur kurz, d.h. die Nase wird schnell "geruchsblind". Das macht dieses Gas so heimtückisch, denn in hohen Konzentrationen führt es zum Tod durch Kreislaufstillstand. Zusätzlich kann er im richtigen Mischungsverhältnis mit Luft heftig explodieren.

wird in unzähligen Tagebergwerken teils unter katastrophalen Bedingungen (ohne Arbeits- und Gesundheitsschutz) gewonnen. Wo es Vulkanismus gibt, finden sich auch Schwefelvorkommen.

Natürlicher Gips wird im Tagebau gewonnen, u.a. im Harz. Gipssprengungen verursachen enorme Staubwolken.

Künstlicher Gips entsteht in den Entschwefelungstürmen.

Spritzmittel aus elementarem Schwefel oder Schwefelleber:

Hinweis: Schwefel bekommt man nicht mehr in Apotheken, es müssen also die entsprechenden Fungizide gekauft werden (z.B. Netzsschwefel Stulln ®; Netz-Schwefelig WG Neudorff ®.Bereits eine 0,2 %ige Lösung (d.h. 2g Kaliumsulfid (=Schwefelleber) in einem Liter Wasser) kann gegen bestimmte Pilze (u.a echter Mehltau, nicht jedoch falscher Mehltau) gespritzt werden. Die Konzentration sollte nicht willkürlich höher dosiert werden, da sie Insekten (z.B. Marienkäfer) schädigen kann. Die Temperaturen sollten bei Spritzung allerdings über 16°C und unter 28°C liegen, damit das Mittel richtig wirken kann. X) .

Schwefelquellen

stellen zwar keine Düngergrundlage dar, aber als Heilquellen werden sie vielerorts genutzt, so etwa in Bad Gögging.

Hilfe bei der Pflanzenentwicklung

In der Homöopathie wird Schwefel mit Selbstüberschätzung und Egoismus assoziiert. Die meisten Pflanzen sind, wenn ich das so sagen darf, altruistisch; bewiesenermaßen aber kooperativ. Vielleicht kann man mit Schwefel ihre Aggressivität beeinflussen, d.h. ihren Ausbreitungswillen (Stichwort #Invasive_Pflanzen). Pflanzen, die sich auf dem Beet überwuchern lassen, könnten ein wenig mehr Schwefelzuspruch gebrauchen als solche, die gerne aus dem Garten ausbüxen und sich zu dominant vermehren.

Alchemistische und chemische Eigenschaften

Alchemisten haben dem Prinzip Schwefel (nicht zu verwechseln mit dem Element!) die Grundqualitäten "heiß und trocken" und die aristotelischen Elemente "Feuer und Luft" zugeordnet. Das Gegenprinzip Quecksilber hingegen ist "kalt und flüssig". Schwefel kommt aus der tiefsten Erde (Vulkanismus) und drängt als Schwefeldampf nach oben. Es ist ein irdischer Energieträger der vom Erdmittelpunkt nach außen hin wirkt.

Für die Alchemisten war Schwefel auch deswegen sehr interessant, weil es mit seiner Hilfe gelang, unedle Metalle "anzufärben" und damit goldgleich zu machen. Man glaubte damals, wenn es gelänge, die sichtbaren Eigenschaften eines Stoffes dem Wunschstoff anzugleichen, dass dies der erste Schritt zu einer vollkommenen Transmutation sei. Mit allen klassischen Metallen bildet Schwefel sogenannte Sulfide. Selbst mit Gold. (Das wäre allerdings für klassische Alchemisten ein Frevel gewesen.)

Die Tabelle enthält die im Altertum bekannten und genutzten Metalle inklusive der angenommenen Verbindung zu den "Planeten"(nach HAUSCHKA, 1946 und ARISTOTELES)

Der für die Pflanzen und ihre Eiweiße und Enzyme so wichtige Schwefel wird in der menschlichen Sichtweise seit alters her mit Tod, Teufel und Verderben in Verbindung gebracht. Bereits in der Bibel regnet es über Sodom und Gomorra Schwefel (und Feuer), um den "Sündenpfuhl" auszubrennen. Gewisse Schwefelverbindungen sind in entsprechender Konzentration für Tier und Pflanze tatsächlich schädlich, jedoch ist der auch in der Natur zu findende elementare Schwefel völlig ungiftig.

Bei Schwefel kommt es eben auf die richtige Verbindung und die richtige Dosierung an, denn er kann auch Segen, Leben und Wohlbefinden spenden:

In China sowie auch in Ägypten hat man vor 7000 Jahren mit Schwefel gereinigt, desinfiziert und gebleicht (u.a. Weingefäße wie auch heutzutage immer noch).

Vor 40 Jahren wurden bis zu 150 kg pro Hektar und Jahr in die Böden von Industrienahen Standorten eingebracht. (SCHEFFER, SCHACHTSCHABEL, 1992)

Uns ist die darmreinigende, abführende Wirkung von Glaubersalz (=Natriumsulfat Na2SO4) zu Beginn einer Fastenkur wohlbekannt. Und vor einer Darmspiegelung bekommt man das noch heftigere Bittersalz verabreicht (=Magnesiumsulfat MgSO4).

Bei Rauchgasentschwefelung entsteht Gips (= Calciumsulfat CaSO4 * 2H2O) der in Trockenbauplatten weiterverwendet wird (aufgrund der Herkunft lehnen viele Menschen diesen Werkstoff ab, obwohl Gips hervorragende bautechnische Eigenschaften hat, und dem Lehm ebenbürtig ist, wenn er nicht mit Schwermetallen verunreinigt ist). Die im Ruhrpott weithin sichtbaren Entschwefelungstürme verschandeln die Landschaft meiner Ansicht nach viel mehr als Windradl!

Seine zwiespältige Rolle hat Schwefel seitdem allerdings nie mehr verloren und gerade heutzutage scheint er wieder seine "böse" Wirkweise auszuspielen, wenn tonnenweise Schwefeldioxid (SO2) unseren Regen versauert. Zwar ist die Gefahr des Waldsterbens aufgrund zu saurer Böden vorerst durch Entschwefelungsanlagen in Kohlkraftwerken und Katalysatoren in Autos hierzulande gebannt, weltweit betrachtet aber immer noch ein ernst zu nehmendes Thema. Hoffentlich gelingt es der "Friday's-for-Future-Generation", den weiteren Abbau und die Energiegewinnung aus Kohle und Erdöl zu verhindern. Wenn die in diesen Produkten massenhaft enthaltene Schwefelmenge erst einmal freigesetzt ist, schädigt sie unsere Lungen und die Blätter der Pflanzen.

Die Industrie verwendet 150 000 000 Tonnen Schwefelsäure H2SO4! Mengenmäßig die meisthergestellte Basischemikalie weltweit.  Sie stammt u.a. aus Ölraffinerien und ist da ein Nebenprodukt.

Eine weitere unrühmliche Rolle spielte der rund um den Ätna in Sizilien zu findende Schwefel beim Aufstieg der Mafia des 19. Jahrhunderts. Die Mafia verdiente den Grundstock ihres Imperiums mit der Erpressung sowohl von Schwefelminenbesitzern als auch von Schwefelminenarbeitern X) .

Die ursprünglich peruanischen und bolivianischen Schwefelvorkommen fielen durch den sogenannten Salpeterkrieg (1879 – 1884) Chile zu. Neben Chile profitierten hauptsächlich deutsche und englische Firmen vom Schwefelabbau X) . Letztlich haben diese Schwefelvorkommen einen bedeutenden Teil zum Aufstieg unserer Chemiegiganten beigetragen. 

Chemie und Alchemie (pro & contra)