Alchemistische und chemische Eigenschaften

Geschmack: verdorben, verrottendes Eiweiß;

Geruch: elementar geruchslos,

Schwefelwasserstoff nach faulen Eiern

Befindet sich das Element in einem Kreislauf? Ja,

vor allem in Form seiner Sulfate, ähnlich wie und Stickstoff. Gips u.a. werden von Mikroorganismen "mineralisiert", Pflanzen nehmen Bittersalz u.a. Schwefelverbindungen auf und bauen sie in Eiweiße ein. Beim Absterben von Pflanzen und Tieren gelangt der Schwefel wieder in die Umwelt.

Alchemisten haben dem Prinzip Schwefel (nicht zu verwechseln mit dem Element!) die Grundqualitäten "heiß und trocken" und die aristotelischen Elemente "Feuer und Luft" zugeordnet. Das Gegenprinzip Quecksilber hingegen ist "kalt und flüssig". Schwefel kommt aus der tiefsten Erde (Vulkanismus) und drängt als Schwefeldampf nach oben. Es ist ein irdischer Energieträger der vom Erdmittelpunkt nach außen hin wirkt.

Für die Alchemisten war Schwefel auch deswegen sehr interessant, weil es mit seiner Hilfe gelang, unedle Metalle "anzufärben" und damit goldgleich zu machen. Man glaubte damals, wenn es gelänge, die sichtbaren Eigenschaften eines Stoffes dem Wunschstoff anzugleichen, dass dies der erste Schritt zu einer vollkommenen Transmutation sei. Mit allen klassischen Metallen bildet Schwefel sogenannte Sulfide. Selbst mit Gold. (Das wäre allerdings für klassische Alchemisten ein Frevel gewesen.)

Die Tabelle enthält die im Altertum bekannten und genutzten Metalle inklusive der angenommenen Verbindung zu den "Planeten"(nach Hauschka; Aristoteles)

 

Der für die Pflanzen und ihre Eiweiße und Enzyme so wichtige Schwefel wird in der menschlichen Sichtweise seit alters her mit Tod, Teufel und Verderben in Verbindung gebracht. Bereits in der Bibel regnet es über Sodom und Gomorra Schwefel (und Feuer), um den "Sündenpfuhl" auszubrennen. Gewisse Schwefelverbindungen sind in entsprechender Konzentration für Tier und Pflanze tatsächlich schädlich, jedoch ist der auch in der Natur zu findende elementare Schwefel völlig ungiftig.

Bei Schwefel kommt es eben auf die richtige Verbindung und die richtige Dosierung an, denn er kann auch Segen, Leben und Wohlbefinden spenden:

In China sowie auch in Ägypten hat man vor 7000 Jahren mit Schwefel gereinigt, desinfiziert und gebleicht (u.a. Weingefäße wie auch heutzutage immer noch).

Uns ist die darmreinigende, abführende Wirkung von Glaubersalz (=Natriumsulfat Na2SO4) zu Beginn einer Fastenkur wohlbekannt. Und vor einer Darmspiegelung bekommt man das noch heftigere Bittersalz verabreicht (=Magnesiumsulfat MgSO4).

Seine zwiespältige Rolle hat Schwefel seitdem allerdings nie mehr verloren und gerade heutzutage scheint er wieder seine "böse" Wirkweise auszuspielen, wenn tonnenweise Schwefeldioxid (SO2) unseren Regen versauert. Zwar ist die Gefahr des Waldsterbens aufgrund zu saurer Böden vorerst durch Entschwefelungsanlagen in Kohlkraftwerken und Katalysatoren in Autos hierzulande gebannt, weltweit betrachtet aber immer noch ein ernst zu nehmendes Thema. Hoffentlich gelingt es der "Friday's-for-Future-Generation", den weiteren Abbau und die Energiegewinnung aus Kohle und Erdöl zu verhindern. Wenn die in diesen Produkten massenhaft enthaltene Schwefelmenge erst einmal freigesetzt ist, schädigt sie unsere Lungen und die Blätter der Pflanzen.

Eine weitere unrühmliche Rolle spielte der rund um den Ätna in Sizilien zu findende Schwefel beim Aufstieg der Mafia des 19. Jahrhunderts. Die Mafia verdiente den Grundstock ihres Imperiums mit der Erpressung sowohl von Schwefelminenbesitzern als auch von Schwefelminenarbeitern 19) .

Die ursprünglich peruanischen und bolivianischen Schwefelvorkommen fielen durch den sogenannten Salpeterkrieg (1879 – 1884) Chile zu. Neben Chile profitierten hauptsächlich deutsche und englische Firmen vom Schwefelabbau 20) . Letztlich haben diese Schwefelvorkommen einen bedeutenden Teil zum Aufstieg unserer Chemiegiganten beigetragen.

 

Von Düngung zu Pflanzenentwicklung

In aller Kürze

04_Lauchgewaechse/Schwefel-in-Kuerze.pdf

Düngehinweise

Obwohl essentiell für Lebewesen und insbesondere als Bestandteil von Aminosäuren und sekundären Pflanzenstoffen (z.B. pflanzliches Alliin, tierisches Cystein, Methionin und Taurin) wird wieder seit der Jahrtausendwende mit Schwefel gedüngt. Denn erst in den späten 90iger Jahren nämlich griffen die Maßnahmen, die die Luft sauberer machten.

In humosen Böden ist in der Regel durch absterbende, organische Masse genügend Schwefel für ein gesundes Pflanzenleben vorhanden, sodass bei einer Kompost- und Mistwirtschaft zusätzliche Schwefeldüngegaben i.d.R. überflüssig sind.

Zudem ist in einigen Handelsdüngern Schwefel als willkommene "Verunreinigung" vorhanden.

Dass Schwefel lange Zeit nicht als Düngekomponente angesehen wurde, zeigt sich auch darin, dass es hinsichtlich der Interpretation von Bodenanalysen noch Unsicherheiten für die daraus folgenden Düngeempfehlungen gibt 12) . Nur bei Anwesenheit von Schwefel kann auch der vorhandene Stickstoff seine gesamte Düngewirkung entfalten. Deswegen versucht man heute über den N/S-Quotienten eine Aussage zum Schwefelbedarf zu treffen.

Man geht von einem Mangel aus, wenn der N/S Quotient unter 15 liegt 13) . Ein Quotient über 17/1 zeigt gut genährte Pflanzen an.

Im Bioanbau darf nur eingeschränkt oder mit bestimmten Schwefelformen gedüngt werden. Erlaubt sind neben Kaliumsulfat, Patenkali, Kainit und Bittersalz auch Naturgipse.

Der Schwefelanteil in den Düngern wirkt recht schnell, was ihn auch für Blattdüngegaben prädestiniert. Andererseits wird Schwefel bei Dauerregen schnell ausgewaschen.

Nur der elementarer Schwefel wirkt langsamer, ist aber aufgrund diverser Schutzverordnungen nur in Mischungen käuflich.

Je nach Standort erhalten unsere Böden zwischen 5 und 10 kg Schwefel pro Hektar und Jahr aus der Luft 22) + 16) .

Die BayWa AG ® empfiehlt deswegen bis zu 60 kg S pro Hektar jährlich hinzuzudüngen 22) . Für mich stellt sich die Frage, ob diese Mengen den Boden nicht wieder langfristig versauern lassen, zumal vielerorts der auswaschende Regen auch weniger wird?

Pflanzen benötigen unterschiedlich viel Schwefel, so gehören Kartoffeln z.B. zu denjenigen mit niedrigem Bedarf, hingegen Leguminosen und Kreuzblütler zu jenen mit einem höheren Bedarf. Betarüben liegen dazwischen 13) .

Pflanzen können Schwefel als sogenannte Transportproteine in ihren Blättern zwischenlagern um sie dann zum "Platz des höchsten Verbrauchs" weiter zu transportieren 9).

Aber eigentlich geht es bei einer mit Augenmaß vollzogenen Schwefeldüngung wieder mal um das Bodenleben, welches wie wir Menschen auf dieses essentielle Element angewiesen ist. Ganz besonders profitieren die stickstofffixierenden Symbiosebakterien etwa von Erbsen, Bohnen und Co., denn der Schwefel ist ja erst in mineralisierter Form für die Pflanzenwurzeln verfügbar und das leisten eben die Bodenlebewesen.

Herstellung, Gewinnung, Aufbereitung

Elementarer (gediegener) Schwefel wird in unzähligen Tagebergwerken teils unter katastrophalen Bedingungen (ohne Arbeits- und Gesundheitsschutz) gewonnen. Wo es Vulkanismus gibt, finden sich auch Schwefelvorkommen.

Natürlicher Gips wird im Tagebau gewonnen, u.a. im Harz. Gipssprengungen verursachen enorme Staubwolken.

Künstlicher Gips entsteht in den Entschwefelungstürmen.

Spritzmittel aus elementarem Schwefel oder Schwefelleber:

Bereits eine 0,2 %ige Lösung (d.h. 2g Kaliumsulfid (=Schwefelleber) in einem Liter Wasser) kann gegen bestimmte Pilze (u.a echter Mehltau, nicht jedoch falscher Mehltau) gespritzt werden. Die Konzentration sollte nicht willkürlich höher dosiert werden, da sie Insekten (z.B. Marienkäfer) schädigen kann. Die Temperaturen sollten bei Spritzung allerdings über 16°C und unter 28°C liegen, damit das Mittel richtig wirken kann. 15) .

 Schwefelquellen stellen zwar keine Düngergrundlage dar, aber als Heilquellen werden sie vielerorts genutzt, so etwa in Bad Gögging.

Hilfe bei der Pflanzenentwicklung

In der Homöopathie wird Schwefel mit Selbstüberschätzung und Egoismus assoziiert. Die meisten Pflanzen sind, wenn ich das sagen darf, altruistisch; bewiesenermaßen aber kooperativ. Vielleicht kann man mit Schwefel ihre Aggressivität beeinflussen, d.h. ihren Ausbreitungswillen (Stichwort Invasive Pflanzen). Pflanzen, die sich auf dem Beet überwuchern lassen, könnten ein wenig mehr Schwefelzuspruch gebrauchen als solche, die gerne aus dem Garten ausbüxen und sich zu dominant vermehren.