Rote Beete, Mangold, Betarüben

Erfahrungen aus erster Hand aus Coras Garten

Einst habe ich als Kind Rüben vom Feld geklaut und probiert. Sowohl Zucker- als auch Runkelrüben waren in den 70iger und 80iger Jahren noch auf vielen Feldern und in allen Farben präsent. Letztere wurden allgemein siliert, d.h. milchsauer vergoren, und dann an das Vieh verfüttert. Biobauern machten das weniger gern, denn die Milch taugte dann nicht mehr zur Rohkäseherstellung.

Rote Bete wurde in Franken gerne essigsauer eingelegt. Als fertiger Salat kam sie zu vielen Gerichten mit auf den Teller.

Auch wenn es fränkische Mangoldsorten gegeben haben muss (z.B. aus Sennefeld), so lernte ich dieses Gemüse erst während meiner Gärtnerausbildung kennen. Eine WG-Mitbewohnerin zeigte mir, dass man auch die Wurzeln essen kann.

Saatgutgewinnung ganz praktisch

  • "Elite-Samen" erhalte ich, indem ich einzelne Knäul an der noch reifenden Pflanze pflücke und zwar die, die zuerst trocken und am größten geworden sind.

  • Sobald die Samenknäul dann größtenteils braun und hart geworden sind (und sich schwerlich zerbeißen lassen), reiße ich die gesamten Pflanzen aus und hänge sie zum Trocknen auf. Teils entferne ich die Zweige mit sehr kleinen Knäuln, genauso wie die Spitzen aller Zweige. Wenn ich viel Geduld habe, entferne ich auch alle Blätter, die ich sonst im Nachgang mühsam raussieben muss.

  • Die Pflanzen lasse ich hängen, bis auch die kleinen, nicht vorher abgezupften Blätter brösel-trocken sind.

  • Mit dicken Handschuhen (am besten aus Ziegenleder) ist das Abstreifen der Samenknäul dann kein Problem.

  • Mit Erdsieben bekomme ich sogar noch eine Sortierung der Knäul nach Größe hin. Außerdem lassen sich auf diese Weise noch restliche trockene Blätter gut entfernen (Sieb wählen, wo die Knäul noch durchpassen und Blätter obenauf liegen bleiben).

  • Die Knäul müssen bei sehr trockener Luft verpackt werden, denn sie können schnell wieder Feuchtigkeit aus dieser aufnehmen (hygroskopisch). Ihre natürliche "Verpackung" ist ein korkartiges, wasseraufnehmendes Gewebe.

  • Wenn ich mir sehr Mühe gebe, dann reibe ich die Knäul solange auf einem feinen Sieb hin und her, bis sie rundlicher geworden sind, denn dann lassen sie sich einfacher aussäen.

Tipps für Erhalter

LUCAS (1846) Samenzucht [Rote Beete]. Einige der ausgezeichnetsten, dicksten und glattsten Rothrüben werden zur Samenzucht ausgewählt und in Keller oder in Mieten eingeschlagen. Beim Wegschneiden der Blätter darf hier die Wurzelkrone durchaus nicht verletzt werden. Die Hauptsengel gehen weitaus die besten Samen, und man sollte immer die kleineren nachtreibenden Seitenzweige, so wie die Enden der oberen Zweige wegschneiden, um recht vollkommne Samen zu erhalten. Bei der Samenzucht ist noch zu bemerken, daß man auch auf die bunteste Färbung resp. Röthe der Blätter, Stiele und Blattrippen achten muß, weil solche Pflanzen auch die schönstgefärbten Wurzeln haben.

  • Bei früh gepflanztem Mangold kann man trotz Samenbau für die Küche ernten, jedoch ist es nicht ratsam, bei Rote Beten Blättchen abzupflücken.
  • Für den Samenbau kann man Mangold im Frühjahr oder Spätsommer säen, hingegen Rote Bete besser nur im Spätsommer oder Herbst (wenn die Sommertrockenheit vorüber ist), da sie als kleine Rübchen besser überwintern. Hinsichtlich der Rübenbeurteilung ist jedoch eine frühe Säzeit besser, damit die Rüben groß werden. Solche ausgewachsenen Rüben gehören aber zur Überwinterung in den Keller oder in eine Miete.

  • Je nach Frostbeständigkeit der Sorten muss man sowieso in Mieten überwintern oder geht das Risiko ein sie im Feld zu belassen. Letzteres bevorzuge ich, denn die (spät ausgesäten) noch kleinen, gut abgehärteten roten Beten überwintern bei mir recht gut.

  • Als Windbestäuber kann der Pollen kilometerweit fliegen und es gibt Geschichten, dass er mit den Tragflächen von Flugzeugen in 10 km Höhe überlebte und verbreitet wurde. Finde ich übertrieben. Ich pflanze einfach nur eine Sorte im Garten und meine Nachbarn lassen ihren Mangold oder ihre Beten eh nicht blühen.

  • NAVAZIO schreibt, dass Beten Inkompatibilitäten mitbringen, das bedeutet, dass man unbedingt sehr viele ja nicht zu eng miteinander verwandte Samenträger zusammen reifen lassen sollte, um die Genvielfalt zu wahren.

  • Die samentragenden Pflanzen werden riesig groß, d.h. wer ein ganzes Beet hat, der sollte mindestens jede zweite essen, damit die Ausgelesenen genügend Standplatz im zweiten Jahr haben.

  • Die Wurzelform kann natürlich nur beurteilt werden, wenn man die Pflanzen im Herbst entnimmt und einmietet.

  • Wen es stört, dass die Samenträger umknicken, der muss sie z.B. an Tomatenstangen festbinden.

  • Beta vulgaris bildet Samenknäuel, die schwer auseinanderbrechen. Das heißt, ausgesät wird das ganze Knäul, aus dem i.d.R. mehrere Keimlinge wachsen. Deswegen verzieht man; das heißt, man lässt nur den Schönsten stehen.

  • Die Keimlinge sollten ruhig mit "Konkurrenz" klarkommen, z.B. wächst bei mir Postilein drum herum und nur die kräftigsten Mangoldkeimlinge bleiben stehen.

  • Bei den weltwirtschaftlich gesehen so wichtigen Zuckerrüben hat man "monogermes", d.h. einsamiges, Saatgut auf züchterischem, als auch auf technischem Weg entwickelt.

  • Man kann die meisten Sorten Mangold zur Samengewinnung im Feld überwintern lassen. Sorten aus Italien können aber auswintern. Bei Kahlfrösten kann es somit zu Ausfällen kommen, deswegen ist eine moderate Abdeckung, etwa mit Stroh, sinnvoll.

  • Es wird behauptet, dass Sorten mit roten Stielen nicht so winterfest wären und einen geringeren Kältereiz benötigten als ihre grünen und gelben Geschwister.

  • Thema Aufasten: da die ersten und untersten Seitentriebe noch schöne dicke Knäul hervorbringen, lass ich diese dran und nehme jüngere obere Äste weg.

Anbautipps für Gärtner und Köche

Wie man früher "züchtete" erklärt ein Zitat aus dem 10 Jahrhundert (Geoponika in KOLBE, 1985): "Will man den Mangold größer und weißer haben, so taucht man seine Wurzeln in frischen Rindermist und legt späterhin auf die Wurzeln nachdem man die Blätter auseinandergelegt, einen Stein oder Backstein."

 

  • Beten und Mangold stehen in zweiter Tracht.

  • Am geeignetsten sind tief bearbeitete, humose Böden. Je fester, bzw. steiniger der Boden, desto kleiner sollten die Rübchen (Sortenwahl) sein. Bei Mangold spielt das keine so große Rolle.

  • Rote Beete wird meist vor Mangold gesät, damit sie länger Zeit hat, große Rüben zu bilden. Auch lässt man den Beten mehr Platz auf den Beeten.

  • Vorgezogene Pflanzen können keine Pfahlwurzel mehr bilden und haben somit höhere Wasseransprüche während des Wachstums.

  • Mangold gehört zu den Gemüsen mit dem höchsten auf das Gewicht bezogenen Ernteerträgen (bis zu 5 kg/m2). Tja, es wird ja das ganze Blatt geerntet und nahezu alles verwertet. Zudem kann er sich sogar regenerieren, also mehrfach geerntet werden.

  • Wenn immer nur die Umblätter, also die älteren, geerntet werden, ist Mangold sehr regenerationsfähig.

  • Kleine rote Beten lassen sich als Babygemüse mit Schopf und Blättern ernten.

  • Gekochte rote Beten sind sehr einfach zu pellen, sie schlüpfen quasi aus ihrer Haut.

  • Rohe Beten sollten vor dem Verzehr geschält werden, denn je mehr Rinde/Haut an der Rübe verbleibt, desto erdiger ist der Geschmack.

  • Mangold kann genau wie Rote Beten eingemietet werden. Die Blätter sollte man so abdrehen, dass die Herzblätter erhalten bleiben, dann klappt's.

  • Mangold lässt sich treiben: Dazu holt man dicke Wurzeln ins Haus und stellt sie ins Wasser (wie bei Chicorée). Bei Zimmertemperatur und Licht kann man innerhalb von ein paar Wochen eine kleine frische Ernte erhalten: Ein Trick bei der Treiberei: Die Pflanzen haben schon mal für ein, zwei Wochen eine Kälteperiode mitgemacht und »glauben« nun, der Frühling käme …

  • Für Gärten mit wenig Platz empfehle ich den Anbau als Zierpflanze, genauer gesagt, als Blattschmuckpflanze.

  • In heißen Sommern und im Gewächshaus kann es zu brüchigen Blattnerven (Rippen) kommen. Dies ist also keine Sorteneigenschaft. Aber wer baut dieses robuste Gemüse schon im Gewächshaus an.

  • Silbermangold (Poiree a cardes blanches) ist solcher mit wunderbar weißen, dicken Rippen, die entweder zu Gratins oder zu Salat bereitet werden können.

  • Mangold neigt weniger als Spinat zur Nitratanreicherung. Einzelne Sorten unterscheiden sich zusätzlich in dieser Eigenschaft, so weisen ‘Walliser’ und ‘Fordlook Giant’ geringere Gehalte bei gleichen Anbaubedingungen auf als der ‘Glatte Silber’ und ‘Verte a card blanche’.

  • Man kann beim Kochen dem Wasser einen Schuss Essig beifügen, das fällt einige der Calziumoxalate aus.

  • Der Oxalatgehalt ändert sich über die Wachstumssaison und je nach Witterungsverlauf. Nach diesem extrem trockenen Sommer (2022) habe ich sehr "saure" Blätter geerntet. Die ersten nachgewachsenen Blätter um die warme Weihnachtsperiode herum waren hingegen sehr zart.

 >> Zurück zur Familie Gänsefußgewächse