Kulturdatenblatt

Typen und Sortenkunde

Typen und Gruppen

Hier ist ein Vorschlag, die Formenvielfältigkeit in Sortengruppen zu unterteilen
(zusammengestellt aus mehreren Quellen, u.a. LOPEZ-ANIDO (2021), KRUG (1991) und SERENA et al. (2014):

Was wir hierzulande als Hokkaido-Kürbis verkauft wird, sind in Wirklichkeit gleich mehrere Sorten, von C. maxima die unter diesem Sammelnamen angeboten werden. Sie wurden in Japan aus Hubbard-Kürbissen ausgelesen. X)

  • Riesenkürbis- oder Mammut-Gruppe (Show-Gruppe: Cucurbita maxima convar. maxima, mit den Zentnerkürbissen
  • Hubbard-Gruppe: Cucurbita maxima convar. Hubbardina, mit den in Japan ab 1933 verbesserten "Hokkaidos"
  • Tourban-Gruppe: Cucurbita maxima convar. turbaniformis
  • Banana-Gruppe: Cucurbita maxima convar. bananina
  • Buttercup-Gruppe
  • Nugget-Gruppe (Vielleicht mit der Kleinfrüchtige Gruppe: Parvifructina gleichzusetzen)
  • Plomo-Gruppe (Graue Kürbisse)
  • Zapallito-Gruppe (Cucurbita maxima convar. zapallitina)
  • Zipinka-Gruppe (manchmal als Teil der Zapallito-Gruppe gesehen)
Botanische Merkmale

Botanisch erkennt man die echten C. maxima wie folgt:

  • Glockenrock-förmige Blüte ohne zipfelige Blütenblätterenden
  • Der Blütenstiele bleiben während des Wachstums lange biegsam
  • Der Blütenstiel wird im Durchmesser zum Fruchtansatz hin kleiner, also schmäler
  • Der Blütenstiel ist rund und hat am Fruchtansatz eine Sollbruchstelle
  • Die Samenfarbe ist kein sicheres botanisches Merkmal. Es gibt Sorten mit cremefarbenen und auch solche mit bräunlichen Samen, alle bilden meist einen sehr ausgeprägten Randwulst.
Wie ist es mit der Sortenvielfalt 2021 bestellt?

Zusätzlich findet man in einigen Pflanzendatenbanken Arthybriden zwischen C. maxima x C. moschata!

  • Bundessortenamt-Sorteninformationen (SZ) X) KUR
  • EU Plant variety database X) H37.2 Cucurbita maxima
  • CPVO Variety Finder X) CUCUR_MAX
  • UPOV PLUTO Plant Variety Database X) CUCUR_MAX
Weitere Namen und Bezeichnungen

Riesenkürbis, Winterkürbis*, Speisekürbis**..
In unzähligen Dialekten entstanden Ableitungen und Wortverschmelzungen zwischen dem lateinischen "Corbis" für Korb und "Cucumer" für Gurke:
Wenn man vom zusammengesetzten Wort Kukurbita die erste Silbe weglässt ist man schon fast bei Kurbitz, bzw. Kürbis. Das Wort war lange Zeit (bis ins 16. Jahrhundert) allein den Flaschenkürbissen vorbehalten (FUCHS, 1546).

*) Der Begriff "Winterkürbis" beruht auf der Verwendung der Früchte, und ist somit botanisch nicht wirklich korrekt. Jedoch sind gerade die beliebtesten C. maxima, wie 'Hokaido' und 'Rouge vif d'Etampes' haltbare, d.h. lagerfähige Winterkürbisse mit besonders robuster Schale (auch wenn diese lange weich und verzehrbar bleibt). Das 'Gegenteil' zu Winterkürbissen wären die im Sommer, meist unreif geernteten, Sommerkürbisse. Bei uns gehören die bekanntesten Sommerkürbisse, etwa die Zucchinis, zur Art C. pepo.

**) Der Begriff "Speisekürbis" geht ebenfalls auf die Verwendung und nicht die exakte Art zurück. Das 'Gegenteil' zu Speisekürbissen, wären Zierkürbisse. Oft wird davon ausgegangen, dass nur Speisekürbisse essbar wären und die Zierkübisse nicht. Hier geht es aber rein um das Aussehen, d.h. auch Zierkürbisse können bitterfrei sein und Speisekürbisse als Herbstdekoration herhalten.

Vorfahren und lebende Verwandte

Dazu siehe bitte die Kreuzungstabelle. Fett sind die genutzten Arten und eingerückt sind die Vorfahren und Wilden Verwandten aufgezählt.

Kreuzungsmöglichkeiten

Achtung: Auf vielen Internetseiten werden bezüglich der Kreuzungsmöglichkeiten und der Art-Zugehörigkeit wildeste Theorien und schlichtweg Falschmeldungen verbreitet!

Ein Kreuzungsproblem besteht nicht zwischen den Arten C. maxima und C. pepo, sondern eher darin, Sorten und Sortengruppen eindeutig zu diesen jeweiligen Arten zuzuordnen! Lasst Euch nicht jeden Kürbis als solchen andrehen!

Denn je nach äußerer Form nennen wir die Früchte landläufig "Gurke, Kürbis, Melone, Squasch oder Zucchini". Und dieses Begriffskauderwelsch ist seit Jahrhunderten tradiert!

So werden Pepo-Sorten auch mal als Zierkürbisse verkauft während die Sortengruppe Butternut zu C. moschata gehört.

Der klassische Steirische Ölkürbis ist wiederum ein C. pepo.

Und zur weiteren Verwirrung gehören Tromboncini, auch "Schlangenkürbisse", "Zucchetti" und "Keulenzucchini" genannt, nicht zu den Flaschekürbissen, was eine ganz andere Gattung wäre, und auch nicht zu den C. pepo's sondern ebenfalls zu den Moschuskürbissen (C. moschata).

Selbst die koreanischen Zucchinis (Aehobak) sind keine "Pepo-Zucchinis" sondern C. moschata's….

Bei den "Patisson" oder "Ufo-Kürbissen" handelt es sich dagegen wieder um "C. pepo", die gerne als Herbstschmuck verwendet werden.  Je nach Verwendungstyp können hier schon mal bittere, ungenießbare Auslesen mit dabei sein. In der Regel sind aber selbst die meisten Zierkürbisse geschmacklich eher fad und damit völlig ungefährlich.

Die Malabar-Gurke oder Haifischflossen-Melone ist weder eine Gurke noch eine Melone, sondern ein Vertreter von C. ficifolia, die oft als Mehltau-resistente Unterlage zum Veredeln von allerlei Kürbisgewächsen im Erwerbsgartenbau herangezogen wird.

Manche Feigenblattkürbisse (C. ficifolia 's) kommen als Marmelade aus "Engelshaarkürbis" zu uns.

Die "Schlangenhaar- oder Engelsgurke" gehört wiederum zu einer ganz anderen Gattung, auch wenn ihr Name Trichosanthes cucumerina ähnlich wie Cucurbita klingt.

Hingegen hat der "Spaghettikürbis" nichts mit dieser Art zu tun, sondern gehört wieder zu C. pepo; er hat auch nichts mit Italien zu tun, sondern wurde in Japan gezüchtet.

Und zu guter letzt sei erwähnt, dass die "Silbersamen-Gurke" auch "Japanischer Kürbis" (Cushaw) genannt, zur Art C. argyrosperma gerhört.

Verwirrung perfekt? Hier die Tabelle:

 

Es gibt so viele verschiedene Cucurbita-Kürbisse, dass die Botaniker zahlreiche Versuche unternommen haben, die Verwandtschaftsverhältnisse unter den einzelnen Arten zu klären. Das funktionierte bis in die 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts noch alles in mühevoller Handarbeit. Jeder Kreuzungsversuch wurde mit Ergebnis "fertile Nachkommen", "nur Früchte" und "keine Kreuzbarkeit" dokumentiert (VOGEL, 1996). Allerdings ist bis heute noch kein vollständiger phylogenetischer Stammbaum mittels Genanalyse erstellt worden. Das liegt aber nicht daran, dass man das nicht kann, sondern eher, daran, dass Kürbisse wohl doch nicht so interessant sind um solche Untersuchungen zu machen. Aber wer weiß, vielleicht wird ja ein Botaniker in Zukunft die Kürbisnomenklatur doch neu schreiben. Derzeit geht man von ca. 15 Arten aus, von denen aber nur fünf landwirtschaftlich genutzt werden.

 

Sorten vor 120 bzw. 170 Jahren

Hinweis: damals wurde nicht zwischen C. pepo und C. maxima unterschieden!

'Chinesischer Grüner und Gelber', 'Englischer grüngelber gestreifter', 'Englischer Schmeerkürbis' (wahrscheinlich C. pepo), 'Gelber genetzter Melonenkürbis', 'Gelber Zentnerkürbis', 'Großer gelber Feldkürbis', 'Grüner Zentnerkürbis', 'Heart O'Gold', 'Honigwabenkürbis', 'Jumbo', 'Mirakel', 'Walfisch' (wahrscheinlich C. ficifolia), 'langer Kürbis', 'Spargelkürbis', 'Winter Luxury', Ripoli', 'Valparaisokürbis'

Sorten aus Roter Liste

'A la moelle', 'Courage Aubergine', 'Crococelle', 'Englischer Schmeerkürbis' (eher ein C. pepo), 'Feld-Kürbis großer gelber', 'Gelber englischer Schmeer' (eher ein C. pepo), 'Gelber Zentner', 'Große gelbe Riesenmelone', 'Grüne vegetable Marrow', 'Hubbard Squash', 'Langer Grüner', 'Langer weißer', 'Langer weißer ohne Ranken', 'Large Cheese', 'Long Cream', 'Pantana', 'Patina', 'Pen-y-byd'

Sorten für den Bioanbau 2020/21 von FIBL empfohlen

2020/21

'Amoro F1', 'Butternut', 'Fictor', 'Honeynut', 'Musquée de Provence', 'Red Kuri', 'Roter Zentner', 'Tiana F1', 'Uchiki Kuri' (die erste Hokkaidosorte, welche in den 1990ern nach Deutschland gelangteX).)

Open-Source-Sorten

leider keine bekannt

Mitglieder in der Slowfood "Arche des Geschmacks"

keine gekürt (Stand 2021)

Sorten mit komischen Namen

'Globe Mammoth' von 1912, wie das Mammut ausgestorben, 'Walfisch' (1904), 'Polar Bear' F1

'Carnival', Sorten von Turban squash: 'Mini Red Turban' X)

Sorten aus fremden Ländern für Jäger und Sammler

Die Frage ist eher, welche Sorten in Europa und welche speziell in Deutschland entstanden sind …

'Amish Pie', 'Galeux d'Eysines', 'Australian Butter', 'Pink Banana', 'Anna Swartz Hubbard', 'Ungarischer Blauer', 'Grey Star'

Sorten mit anderen Anwendungen

LUCAS(1846) erwähnt die Verwertung der Samen zu einer Art "Mandelmilch", leider sagt er nicht welche Sorte dazu hergenommen wurde

Auslesekriterien und Saatgutgewinnung

Merkmale "alter" Sorten
  • Zumindest in Europa waren Kürbissorten mit großen Beeren (wie etwa die Zentnerkürbisse, welche bereits 1846 bei LUCAS erwähnt werden) beliebt, die lange lagerfähig waren und mit wenigen Exemplaren ganze Großfamilien über den Winter versorgten.
Während des vegetativen Wachstums
  • Mehltauanfälligkeit
  • Wasserbedarf
  • Schmackhaftigkeit junger Blüten
  • Aussehen, Farbe, Form der Pflanze
  • Rank- und Kletterverhalten
  • Bildung von Adventivwurzeln
Während des generativen Wachstums
  • Anzahl der weiblichen und männlichen Blüten und deren Reihenfolge im Erscheinen
  • Wo die Früchte angesetzt werden, also ob nah oder weg vom Zentrum
Nach der Ernte in Genussreife
  • Eignung für verschiedene Nutzungen und Zubereitungen
  • Beschaffenheit des Fruchtfleisches: Zartheit, Geschmack, Mundgefühl (Butter, sämig nach Kochen), fädig, stärkehaltig, Bitterfreiheit …
  • Schmackhaftigkeit des Fleisches und der Samen
  • Lagerfähigkeit und Beschaffenheit der Schale
  • Aussehen, Farbe, Form und Größe der Beere
Nach der Ernte des Saatguts
  • Farbe und Schalendicke
  • Geschmack und Eignung zum Knabbern
UPOV Test Guideline

No. 155

Vorschlag für unkonventionellen Züchtungsansatz

Ich finde Kürbisse perfekt. Da gibt es nichts mehr zu verbessern. Allerdings finde ich es schade, dass es keine an unser Klima optimal angepassten Flaschenkürbisse (Lagenaria ssp.) mehr gibt, da sie durch die wohl einfacher zu kultivierenden Cucurbita ssp. verdrängt wurden. Aber das ist eine andere Geschichte.

Technisch-Gentechnische Vergewaltigungs- und Forschungsansätze

Gentechnische Veränderungen wurden wohl mit geringem Interesse durchgeführt und haben sich, zumindest global betrachtet, nicht etabliert. Nichts desto trotz hat man mit Resistenzen gegen Gurken-Mosaikvirus, Zucchini-Gelb-Mosaikvirus u.a. experimentiert. Was der weltführende Kürbisproduzent China treibt, kann ich allerdings nicht herausfinden.