Kulturdatenblatt

Typen und Sortenkunde

Wie ist es mit der Sortenvielfalt 2021 bestellt?

Die Bayerische und die Pfatterer Rübe sind so unbekannt, dass sich nur einzelene bis wenige Menschen um ihren Erhalt Sorgen machen.

Weitere Namen und Bezeichnungen

Wasser- oder Speiserübe

Rübstil oder Stilmus und Batzelkraut

Rapini

Stoppelrübe, Teltower Rübchen

Chinakohl, Pekingkohl etc

 

Vorfahren und lebende Verwandte

Die Vorfahren der Rapas (Brassica campestris) sind wohl schon in der Steinzeit (vor 10000) Jahren gegessen worden. Und die von GEISLER (1985) Brassica rapa var silvestris genannte Wildform des Rübsens wächst immer noch vom Mittelmeergebiet bis nach Asien. Neuerdings finden sich in Asiasalat-Saatbändern Brassica campestris Formen.

Kreuzungsmöglichkeiten

SCHLIPF (1859) "Die Rüben sind verschieden an Farbe, Gestalt, Größe und Geschmack. Sie liefern ein gutes Viehfutter im Spätjahr und Vorwinter und ein gutes weiches Gemüse für den Menschen. Besonders ist die in der Bodenseegegend und in Bayern übliche ganz einfache Zubereitung dieser Rübe zu einer Art Sauerkraut, Rübenkraut genannt, zu empfehlen, indem sie auf diese Art längere Zeit als Nahrungsmittel für den Menschen dienen kann."

BUTTALA et al. (2015) schreibt, dass "die Vielfalt an Ernteprodukten in der Art B. rapa nur durch die Ernteprodukte in der Art B. oleracea strittig gemacht wird." Die Sorten und Formenvielfalt sei im fernen Osten noch viel größer als bei uns. Seit den 90iger Jahren wird demnach auch eine neue botanische Einteilung in Gruppen oder Typen gefordert. Nach VOGEL (1995) könnte die unterschiedliche Entwicklung (auch aufgrund der unterschiedlichen Temperaturansprüche) in Asien und im Westen zu einer Unterscheidung beitragen. Das ganze botanische "Bestimmungswirrwarr" wird an der Namensgebung deutlich, so dass ich an dieser Stelle viele Synonyme einbringen muss. Mir ist eine Unterteilung analog derjenigen bei den Gemüsekohlen getroffenen lieber. Diese möchte ich hier wie folgt vorschlagen:

Demnach gehören zu Brassica rapa:

  • Wasserrüben Gruppe:

Kugelige und kegelige Formen Mai-, und Herbstrüben, kleine spitze Rüben und Japanische Rüben Kabu/Mo Ching (B. rapa ssp. rapa; syn. B. rapa var. rapifera) mit den Herkünften Teltow und Pfatter
(Weitere Zusätze nach convar. oder subvar. lauten majalis, rapifera, communis oder pygmaea).

  • Blattgemüse Gruppe:           

Komatsuma, Mizuna/Mizuba/Mibuna, Tat Soi und Senfspinat (B. rapa var. nipposinica (Weitere Zusätze. lauten pekinensis, perviridis, komatsuna)
aber auch Rübstil (B. rapa ssp. rapa) (Weitere Zusätze nach convar. oder ssp. lauten pabularia)
und indischer Spinat (B. rapa ssp. dochotoma)

  • Blattrippen Gruppe:

Pak Choi (B. rapa var. chinensis, B. rapa ssp. chinensis)

  • Kopfbildende Gruppe:

Chinakohl (B. rapa var. chinensis)

  • Blütengemüse Gruppe:

Choisum, Blumen Pak Choi, Knospenkohl (B. rapa var. chinensis, syn. für die europäischen Varianten B. campestris var. rapa; B. rapa ssp. rapa) (Weitere Zusätze nach convar., var. oder subvar. lauten parachinesis, rosularis oder atrovirens).

  • Ölsamen Gruppe:

Sommer- und Herbstrübsen, indischer Rübsen (B. rapa ssp. trilocularis; Syn. enthält das Wort oleifera)

Sorten innerhalb einiger Gruppen können weiter ihrer Verwendung entsprechend eingeteilt werden: Verwendung als Gemüse, Äsungs-und Tierfutter oder hinsichtlich der Silier-Fähigkeit (abhängig vom Zucker- und Wassergehalt).

Es kann daneben teilweise auch zwischen Sommer- und Herbstformen oder sommerannuellen und überjährigen Sorten unterschieden werden. Selbst tetraploide Sorten sind gezüchtet worden. Die meisten Züchtungsansätze gehen heutzutage von der landwirtschaftlichen Nutzung aus und betreiben Auslese nach Überwinterungsfähigkeit bei Äsungsnutzung oder zuverlässiges Abfrieren bei Gründüngung.

Sorten vor 120 Jahren

Mairüben: 'Mittelfrühe weiße', 'Treibairübe', 'Schneeball', 'runde weiße und runde gelbe', 'weinrotköpfige amerikanische'
Herbstrüben: 'Fürst Engalitscheff', 'Goldball', 'Kashmir scharlachrot', 'Mailänder weiße', 'rotköpfig, schwarze Herbstrübe', 'Bortfelder', 'Ottersberger', 'Teltower', 'märische Speiserübe', 'Bertus halblange weiße'

Sorten aus Roter Liste

Die zwei rechten Rüben sind 'Pfatterer'

Chinakohl: 'Garant'; Pekingkohl: 'Pe-tsai'
Mai- u. Herbstrüben: 'Goldball' goldgelbe runde, 'Holländische runde weiße';  'Bayerische Rübe', 'Bortfelder', 'Lange weiße rotköpfige', 'Ochsenhörner', 'Pommeranian white Globe', 'Teutoburger', 'Ulmer rotköpfige', 'Yellow green top Tankard'
Stilmus: 'Rübstil'

Sorten für den Bioanbau 2017 von FIBL empfohlen

Chinakohl 'Kaboko F1', 'Questar F1', 'Emiko F1', 'Pacifiko F1'; 'Sprinkin F1', 'Preduro F1'
Mairüben: Tokyo Top F1
Herbstrüben: 'Purple Top Milan, Nancy race Aramis
Blattgemüse: 'Namenia', 'Mizuna'

Open-Source-Sorten

leider keine bekannt

Mitglieder in der Slowfood "Arche des Geschmacks"
Sorten mit komischen Namen

keine gefunden

Sorten aus fremden Ländern für Jäger und Sammler

'Quarantina' aus Italien, eine Rapinisorte

Auslesekriterien und Saatgutgewinnung

Während des vegetativen Wachstums
  • Wurzel/Hypkotylfarben: weiß, gelb, orange, violett, grau, schwarz
  • Anfälligkeit etwa für Plasmodiphora brassicae
  • Blattfarbe: rosa, rötlich, hellgrün oder panaschiert; Blattform: gekräuselt oder glatt, gebuchtet, zerfranst, etc.
  • Blattrippe und deren Behaarung
  • Kopf länglich oder rund, lose oder fest, selbstbleichend
Während des generativen Wachstums
  • insbesondere bei Blumenformen: möglichst langsame Blütenentwicklung
  • viele gleichstarke Verzweigungen
Nach der Ernte in Genussreife
  •  Mehr Süße (Zuckergehalt) von Rüben und damit indirekt längere Lagerfähigkeit
  • Ölformen: Ölsäuren, mit und ohne Erucasäure (wie bei Raps), mit und ohne Glucosinolat
UPOV Test Guideline

No. 105 für Chinakohl

Vorschlag für unkonventionellen Züchtungsansatz

wie in der Vergangenheit sollte wieder auf Mehrnutzungseignung Wert gelegt warden, d.h. Nutzung des Laubs mittels Schnitt und spätere Rübennutzung.