Signatur

Die feinstoffliche Qualität des Luftstoffs (= wie HAUSCHKA 1946 zu Stickstoff sagt) wird angeblich über den Himmelsausschnitt des Sternbildes Stier vermittelt. Für die Anthroposophen ist Stickstoff das Element, welches die Eigenschaft "Bewegung" erzeugt.

Planet: Mond, Venus

Farbmagie: weiß, pastellfarben

Schlüsselzahlen:1/2, 50:50

Themen: Yin und Yang, 2 Seiten, Januskopf, auf- und ab

Bezug: Stickstoff

Gemüse und mehr

Allgemein bekannte Gemüse
Gemüse mit Entwicklungsbedarf oder für den Klimawandel
  • Augen-, Cajan-, Meterbohnen (Vigna unguiculata)
  • Bambaraerdnuss (Vigna subterranea)
  • Flügelbohne, Goabohne (Psophocarpus tetragonolobus)
  • Gemüsewicke (Vicia cracca) (in Italien gibt es bereits eine 'Esswicke') X)
  • Mungbohnen (Vigna radiata (echte "Sojasprossenbohne")
  • Saat-Platterbse, Kicherling (Lathyrus sativus) X)
  • Schwertbohne (Canavalia gladiata)
  • Süßlupinen (Lupinus angustifolius und auch Lupinus albus)
  • Zaun-Wicke (Vicia sepium)
Gründüngepflanzen
  • Alexandriner Klee (Trifolium alexandrinum)
  • Futter- oder Sommerwicke (Vicia sativa) (Futter für die Biogasanlagen)
  • Esparsette (Onobrychis viciifolia)
  • Inkarnatklee; Blutklee (Trifolium incarnatum)
  • Kicherplatterbse (Lathyrus cicera)
  • Linsen- der Steinwicke (Vicia ssp.)
  • Perser Klee (Trifolium resupinatum)
  • Süßlupinen (Blau und Weiß) (Lupinus angustifolius und auch Lupinus albus)
  • Vogelwicke (Vicia cracca)
  • Zottelige oder Winterwicke (Vicia vilosa)
Einjährige Arzneipflanzen für Jauchen, Tees und Beizen

Pflanzenöle, z.B. Neemöl (Azadirachta indica) oder das Sojaöl (Glycine max) als Spritzmittelgrundlagen; vielleicht lässt sich die hier wachsende Robinie auch pflanzenschutztechnisch nutzen.

Unkräuter, Beikräuter, invasive Pflanzen weltweit
  • Augenbohnen in Asien (Vigna unguiculata)
  • Dornige Hauhechel (Ononis spinosa)
  • Hopfenklee im Rasen (Medicago lupulina)

Hülsenfrüchte

Kultur- und Domestikationsgeschichte mit Hinweisen zu verbreiteten Inhaltsstoffen, Düngung und alchemistische Gedanken

Die ersten Nutzpflanzen haben Menschen weltweit und unabhängig voneinander aus der Familie der Bohnengewächse und der Süßgräser ausgelesen. Nach und nach haben wir uns sehr viele Arten der Bohnen-Familie zu Diensten gemacht. Vielleicht ist es ja auch umgekehrt und ein Bohnengeist oder Deva ist uns so wohlgesonnen, dass er uns den Weg gewiesen hat, welche seiner Kinder man essen darf und wie man sie aufbereiten muss (STORL, 1996).

Zwischenzeitlich ist eine Mais-Landsorte ('Sierra Mixe-Mais') entdeckt worden, die ebenfalls eine Stickstoff-Symbiose mit Bakterien, die an den Luftwurzeln andocken, eingegangen ist x) .

Fast alle Gewächse in dieser Familie düngen uns kostenlos den Boden (X) 90%), indem sie in Symbiose mit sogenannten Knöllchenbakterien den atmosphärischen Stickstoff in den Boden eintragen.

Ausreichend Stickstoff ist wiederum die Voraussetzung für hochwertige Eiweiße, einem der drei Grundbausteine unserer Nahrung. Tier und Mensch sind auf die Zufuhr von Proteinen (essentielle Aminosäuren) angewiesen, die Pflanzen hingegen nicht. Hülsenfrüchte sind ein Segen für Vegetarier und Veganer, sie geben Muskelkraft und über den 'Umweg' Haustier veredeln wir das pflanzliche Protein zu vollwertigem Milch-, Ei-, Fisch- und Fleischeiweiß.

Doch ist nicht jedes Eiweiß automatisch ungiftig: Die Stoffgruppe der in vielen Lebewesen vorkommenden Lektine hält einige extrem schädliche Substanzen bereit, u.a. Pilz- und Bakteriengifte (Aspergillus ssp. Diphterie-Bakterium) sowie die auch Toxalbumine genannten Lektine der Leguminosenfamilie. Sie können uns schnell töten, indem sie unser Blut gerinnen lassen (Paternostererbse) oder sie lösen 'nur' eine Allergie aus (Erdnuss). Eigentlich haben viele der Lektine schon immer zu unserer Nahrung gehört und mit den meisten kann der Körper in normalen Dosen auch umgehen, andere können wir erst dann gefahrlos essen, wenn wir sie denaturieren. Und das geht bei Proteinen durch Hitze. So kochen wir die für uns exotischen Jackbohnen, die allseits bekannten Linsen, Garten- und Kichererbsen.

Wenn wir die Früchte nicht in Nahrung verwandeln können, dann könnten wir versuchsweise diese stickstoffhaltigen Gifte als Insektizide dienstbar machen, z.B. bei Blauregen, Blasenstrauch und Robinien. Oder wir isolieren Cytostatika für die Krebstherapie u.a. aus Paternostererbsen X).

Was die Lektine in der Pflanze machen, weiß man nur in Einzelfällen. Sicherlich sind sie Fraßabwehrgifte, aber vielleicht dienen sie auch der Kommunikation z.B. zwischen Knöllchenbakterien und ihren Wirten. Und damit wären wir wieder beim Thema Stickstoff.

Stickstoff, bzw. wie ihn HAUSCHKA (1946) nennt: Luftstoff, ist in der modernen Pflanzenernährung der mengenmäßig wichtigste Dünger und wird, egal ob aus natürlichen oder aus künstlichen Quellen, am häufigsten eingesetzt. Zu Beginn des Acker- und Gartenbaus sind neben den Pflanzen auch Tiere domestiziert worden, und so stellt der seitdem angefallene Mist eine der ältesten Düngeformen der Welt dar (siehe auch Kalium und Brandrodung).

Die Hülsenfrüchte haben ein ganz besonderes Verhältnis zu diesem Stickstoff ausgebildet. Alchemistischen Überlegungen zufolge vermittelt das Element Stickstoff die Möglichkeit zu empfinden, sich zu bewegen, und schließlich zu atmen. Wobei der Atem dabei als eine rhythmische Bewegung zu verstehen ist. Alles Eigenschaften, die der Mensch sehr weit entwickelt hat. Der schönste Ausdruck des Atems beim Menschen ist der Gesang und der Tanz. Aber auch die Hülsenfrüchtler besitzen diese Funktionen mehr als manch andere Pflanzen. Wie wenige andere können sie sich bewegen: sie winden sich um Stangen oder greifen sogar mit Tentakeln nach Halt. Dazu wiegen und drehen sie ihre Triebe aktiv hin und her. Sie wollen nach oben, wie der Mensch.

Sie behüten ihre Samen im hochnährenden, eiweißhaltigen Keimblatt, wie eine Mutter ihr Kind im Schoß. Wenn die Keimung naht, dann bleiben die Keimblätter bei einigen Arten im Schoß des Bodens und es schiebt sich sofort das echte Blatt, die fertige Pflanze an die Sonne. Sie keimen hypogäisch. Das ist schon einer Geburt, bei dem ein fertiger Mensch das Licht der Welt erblickt, sehr ähnlich. Ich meine, dass Hülsenfrüchtler wie Menschen eine intensive Mutter-Tochter-Beziehung haben, denn der dicke eiweißreiche Samen nährt sie vergleichsweise zu anderen feineren Sämereien noch lange.
Die Luft ist nach dem Philosophen COCCIA (2018) mehr als nur chemischer Stick- und Sauerstoff, sie ist das Eintauchfluidum für alle Landpflanzen, und ist als solches analog zum Wasser für die Meeresbewohner zu sehen. Wobei der Philosoph Menschen und Tiere viel begrenzter als Pflanzen wahrnimmt, eben nur eingehüllt, also umgeben von der Luft. Im Gegensatz dazu sind seiner Ansicht nach die Pflanzen Wesen die durchdrungen von Atmosphäre und Luft sind, untrennbar, sich gegenseitig beeinflussend, gestaltend. In diesem Gedanken sehe ich einen Ansatz für eine gewaltfreie Züchtung mit Hilfe von Stickstoff!

Gedanken zur Fruchtfolge

Hülsenfrüchte sind sehr einfach zu vermehren, denn die meisten sind einjährig kultivierbar und besitzen zudem große, hübsch bunte und verhältnismäßig lang haltbare Samen. Alles Gründe, warum sich Anfänger auf sie stürzen.
Jedoch denken Gartenanfänger weniger darüber nach, wie oft sie ihre Lieblinge im gleichen Beet nachbauen können oder welche Frucht idealerweise vor ihren Bohnen, Erbsen und Co. stehen sollte.
Aber gerade Hülsenfrüchtler stellen sehr hohe Ansprüche an das Wissen um die richtige Fruchtfolge.
Am liebsten würden sie nach oder sogar mit Gräsern wachsen dürfen. Denn es gibt Biologen X), die davon ausgehen, dass die Vorfahren unserer Getreide schon vor ihrer Domestikation friedlich zusammen mit Linsen und Erbsen in der Levante wuchsen.

Im Gemüsebau ist ein Wechsel oder die Mischung mit Gräsern nur bedingt realisierbar. Schließlich käme dann ausschließlich der Gemüsemais als Vorfrucht in Frage.

Wissenswertes: Unabhängig davon, wo in der Welt mit Acker- und Gartenbau begonnen wurde, alle Kulturen haben als erstes Getreide und Hülsenfrüchte im Wechsel oder Zusammen angebaut: In Vorderasien waren das z.B. neben Urformen unserer heutigen Getreide Kichererbsen und Ackerbohnen, in Asien waren es die Ahnen von Reis und Soja, in Afrika Sorghum und Bambaranuss.

Die förderliche Verbindung zwischen Hülsenfrüchten und Gräsern hat auch ihren Ausdruck in der ältesten bekannten Mischkultur gefunden: nämlich von Mais, Stangenbohnen und Kürbis auf dem amerikanischen Kontinent. Die Europäer haben in neuerer Zeit dann diverse Klee-Gras-Gemische als Futtermischung entwickelt, z.B. das Landsberger Gemenge.

Aber vielleicht lässt sich auch im Gemüsebeet eine Hafergründüngung zwischensäen? Hafer ist verhältnismäßig einfach wieder auszureißen oder umzugraben und er bringt den Vorteil, dass er vorhandenen Stickstoff gegen ein Auswaschen konserviert und somit als kleine Starthilfe für Hülsenfruchtarten verfügbar macht. Denn obwohl Bohnen etc. Luftstickstoff verwerten können, sind sie als Babypflanzen, wenn die Bakterien die Wurzeln noch nicht gefunden haben, recht dankbar für Nahrungsergänzung.

Eine jede Hülsenfruchtart hat übrigens ihre eigenen stickstoffbindenden Bakterien engagiert!
Der in ihren Wurzelknöllchen gebundene Stickstoff kommt den Nachfolgepflanzen nur dann zugute, wenn die Wurzeln in der Erde verrotten dürfen. Freiwillig gibt sie an fremde Pflanzen zu Lebzeiten nichts ab, d.h. während ihres eigenen Wachstums braucht sie alle Nährstoffe für sich und die eiweißhaltigen Samen.
Wer sich also eine neue Art in den Garten holt, der bittet einen Nachbarn, der schon Anbauerfahrungen mit der Art hat, um einen Eimer voll seiner Beeterde (oder kauft im Internet die spezifischen Bakterien) zum Impfen.

Hülsenfrüchtler dürfen nie direkt aufeinander folgen, d.h. jahraus jahrein am gleichen Platz stehen. Frühestens nach vier Jahren kann man sie wieder auf dasselbe Eck Erde bringen. Da sie uns sehr viele leckere Arten beschert haben, ist das vor allem in kleinen Gärten eine Herausforderung. Der Grund dafür liegt gar nicht mal an den Pflanzen selbst. Sie könnten sich schon selbst "riechen", aber das tun bestimmte schädliche Nematoden auch. Und damit diese sich nicht im Bohnenschlaraffenland explosionsartig vermehren können, sollen sie in den dreijährigen Anbaupausen ausgehungert werden.
Für Hülsenfrüchtler wäre also eine "Vier-Beete-Wirtschaft" (in Anlehnung an die mittelalterliche Dreifelderwirtschaft) das Sinnvollste.

Nach ihnen kann dann jede andere Gemüsefamilie folgen. Da gibt es keinerlei Anbaueinschränkungen.

 

Botanik, Blütenökologie und Bestäuber

Blütendiagramm einer Fabaceae

Blütenformel: |K(5)C5A10 o. (9)+1G1

Ich mag die alten Familienbezeichnungen lieber, weil sie sich an der Morphologie der Pflanzen orientierten. Die ehemals Schmetterlingsblütler genannte Familie gehört ihrer Blütengestalt nach zu den zygomorphen Fahnenblumen, da sie wie ein menschliches Gesicht nur eine Spiegelachse hat, eben zwei Seiten. Ihr spezieller Blütenbau schließt zu leichtgewichtige Insekten aus,  insbesondere Hummeln und kräftigere Honigbienen haben ausreichend Kraft um ggf. Blütenblätter beiseite zu schieben und regelrecht in die Blüte hineinzukriechen.

Die zwittrigen Blüten bilden wenig Pollen, sondern locken ihre Besucher mittels Nektar.

Für Gärtner, die Hülsenfrüchte handbestäuben wollen, ist es wichtig zu wissen, dass die Pollen einer einzelnen Blüte vor ihrem weiblichen Stempel befruchtungsfähig sind, d.h. sie sind vormännlich (protandrisch).

Wer ganz frisch geöffnete Blüten (weiter oben an der Pflanze hängen die jungen Blüten) abzupft und damit auf die Stempel von älteren, ggf. sogar kastrierten, weiter unten befindlichen Blüten anderer Pflanzen tupft, der kommt mit etwas Glück zu gewollten Kreuzungen.

Die einzelnen Blüten sind in einem trabenartigen Blütenstand zusammengefasst.

Die sich bildenden Früchte, die sogenannten Hülsen, standen lange Zeit als Namenspate für die ganze Familie. Hülsen bestehen immer aus nur einer Kammer (Schoten haben eine Scheidewand und sind somit zweiteilig) und können mit einer Art Reißverschluss (Faden) geöffnet werden.

Viele Arten dieser Familie bilden Blätter, die artcharakteristisch gefiedert oder mit Nebenblättern bestückt sind, letztere sind teils oft zu Ranken umgeformt. Sie sind stets wechselständig angeordnet, wobei der nächste Knoten immer um eine halbe Drehung versetzt ist.

Es gibt krautige, staudige und verholzende Pflanzen in dieser Familie.

Gewaltsame Techniken zur künstlichen Hybridisierung und artuntypischen Veränderung

  • Gewaltsame Kastration, Auskneifen der männlichen Blütenblätter von Hand oder mit Hilfe einer Pinzette
  • Gartenbohnen, die gegen das Goldene Mosaik Virus resistent sind X)
  • Kuhbohnen, die gegen den Schädling Maruca vitratis mittels Bt (Bacillus thuringiensis) resistent gemacht worden sind X)
  • Ackerbohnen, die mittels cytoplasmatischer Sterilität (CTM) hybidisiert werden X).