Erfahrungen aus erster Hand aus Coras Garten

Erst wenn sich die gallertartige Plazenta leicht vom eigentlichen Samen löst, sind Gurkensamen wirklich reif. Von außen erkennt man das am Farbumschlag der Gurkenschale. Diese wird je nach Sorte weiß, gelb, orange oder braun. Zur Sicherheit kann man Gurkenfrüchte noch monatelang in der Speisekammer oder im kühlen, frostfreien Keller aufbewahren und erst dann aufschneiden, wenn man im Winter Zeit dafür hat. Der Rest ist einfach: Mit einem Löffel schabt man die Samen aus in ein Sieb. Dann walkt man händisch die Masse gegen das Sieb um die Gallerten zu lösen. Anschließend füllt man den "Batz" in eine Schüssel und gießt mit Wasser auf. Jetzt sollten die Plazentas oben auf schwimmen und die Samen zu Boden sinken. Die Plazentas kippt man ab. Ggf. Vorgang mehrfach wiederholen, bis keine Plazentas mehr zu sehen sind. Den Samen dann abfiltern und zum Trocknen legen.

Samen auskratzen

Reinigung der Gurkensamen

Samen zum Trocknen auf Filterpapier

 

Anbautipps für Gärtner und Köche

  •  Der Anbau von Gurken setzt viel Wärme voraus, d.h. am besten schafft man für sie im Garten "Weinbauklima"(siehe dazu Kasten Seite….) oder man baut von vornherein in Kästen und Gewächshäuser. Feldgurken werden gerne auf den sich schnell erwärmenden Sandböden angebaut, wenn die Lagen gleichzeitig windgeschützt sind. Auch dunkler Boden oder schwarze Mulchpapiere erhöhen die Bodentemperaturen.

  • Sie lieben trockene und heiße Sommer: Wenn andere Gemüse aufgrund der Hitze ihr Wachstum einstellen, da gedeihen sie noch fröhlich. In der Literatur findet man Angaben dass es ihnen noch bis 40°C gut geht. In guten Gewächshäusern erreicht es trotz Lüftung im Sommer noch heißere Temperaturen.

  • Sie lieben gut ausgereiften Kompost und Mulch zur Abdeckung ihrer weitstreifenden, flach nach Nährstoffen suchenden Wurzeln. Wenn die Gurken aus den Gewächshäusern geräumt wurden, habe ich meterlange Wurzeln aus dem Boden gezogen).

  • Gurken haben eine sehr kurze Voranzuchtdauer, d.h. man sät sie eine Woche vor Pflanzung aus! Nur Anfänger säen sie zur gleichen Zeit wie ihre Tomaten aus!

  • Gurken sollten auch bei Voranzucht nicht pikiert werden, denn damit würde man die sich am Stengelhals bildenden Adventivwurzeln verletzen. Stattdessen legt man zwei Samen in ein Töpfchen und köpft den schlechteren Keimling. Die Gurken sind fertig zum Auspflanzen, wenn sie ihre Keimblätter und ein bis zwei zusätzliche Blätter zeigen. Sie sollten sehr tief gepflanzt werden, so, dass ihre Keimblätter auf dem Boden liegen, dann bilden sie weitere Adventivwurzeln. Der Boden sollte sich tagsüber dann schon auf 20°C erwärmen können.

  • Eine Direktsaat von (Feld-) Gurken sollte erst erfolgen, wenn sich der Boden dauerhaft auf 14°C erwärmt hat, hat. Die Samen werden sehr tief (5 cm) abgelegt. Wenn Erdflöhe die Keimlinge heimsuchen, dann ist von der Direktsaat abzusehen und das Pflanzen von kräftigen Jungpflanzen zu bevorzugen. Inkrustierters oder pilliertes Saatgut bildet einen gewissen Schutz, wird aber hauptsächlich wegen der besseren Dosierbarkeit verwendet.

  • Im Erwerbsbau ist die Vliesabdeckung üblich, da sie Gemüseernten bereits ab Mitte Juni ermöglicht. Ab Juli fliegt der Gurkenflieger dann 3x wöchentlich über die Felder.

  • Man kann Gurkenpflanzen auch veredeln. Als Unterlage kann man C. moschata, C. pepo, C. ficifolia verwenden. Allerdings würde ich dies nicht bei Pflanzen betreiben, von denen ich Saatgut ernten möchte, da ich annehme, dass dies einen qualitativen Einfluss auf das Saatgut hat.

  • Alle Gurken bilden Seitentriebe, wenn man sie lässt. nur ist das bei Glaushausgurken unerwünscht, da bricht man sie aus. Bei Feldgurken hingegen fördert man die Seitentriebbildung, indem man die Pflanzen nach dem 6. Laubblatt entspitzt.

  • Gurken stellen hohe Ansprüche an ein gutes Düngemanagement. Sie brauchen viel Kalium für ihren Wasserhaushalt, dieses darf ihnen aber nicht als chloridhaltiger Dünger (KCl) zugeführt werden.

  • Die Feldgurken danken eine stickstoffarme, kalium- und phosphorbetonte Kopfdüngung, insbesondere nach Starkregen.

  • Vor allem zur Fruchtreife brauchen alle Gurken viel Wasser. Im Haus gießt man idealerweise regelmäßig (der Boden soll nie austrocknen) mit lauwarmen weichem Wasser und verschafft ihnen hohe Luftfeuchtigkeit oder sprüht und nebelt sogar.

  • Eine Gewächshausgurke kann innerhalb von 2 Wochen 400 g schwer werden, wenn sie sich nicht auf die Samenproduktion konzentrieren muss, d.h. parthenokarp ist.

  • Aus meiner Gärtnerzeit weiß ich noch, dass die Hausgurken gerne beschattet werden, insbesondere wenn sie gesprüht wurden und dann die Sonne scharf brannte.

  • Allgemein heißt es im Gartenbau zwar, dass einmal hacken einmal gießen erspart, für die flachwurzelnden Gurken empfehle ich jedoch lieber zu gießen als zu hacken und eben zu mulchen.

  • Die Gemüseernte muss bis Mitte August im Freiland abgeschlossen sein, weil dann die Nächte wieder kühler werden und der Mehltau über die Pflanzen herfällt. Feldgurken setzt man deswegen auch gerne, wie Erdbeeren, auf Stroh.

  • Man kann Feldgurken für Salate nutzen und umgekehrt sehr junge Schlangengurken einmachen (besonders lecker als Senfgurken).

  • Die Samen sind wie bei Kürbissen essbar und es gibt andernorts Sorten, wo sogar Öl aus ihnen gewonnen wird.

  • Gurken können Nitrate nicht speichern, sind also durch ihr basisches Fruchtfleisch ein wahrer Jungbrunnen.

  • Ihr typischer Geruch, den manche so sehr lieben, geht auf einen Stoff zurück, der auch in Duftveilchen enthalten ist: Chemisch heißt er Nonadienol ((3Z,6Z)-3,6-Nonadien-1-ol. 

Tipps für Erhalter

  • Eine besonders wertvolle Pflanze ist auch vegetativ durch Stecklingsvermehrung erhaltbar, dazu werden Triebe abgeschnitten, die in der Lage sind Adventivwurzeln zu bilden.

  • Normale, d.h. nicht parthenokarpe Gruken setzen anfänglich männliche Blüten an. Die männlichen Blüten werden ausgerechnet von Langtagsbedingungen in unserem Sommer noch gefördert. (Ganz extrem zeigt dieses Verhalten die Inkagurke, die zu einer anderen Gattung der Kürbisgewächse gehört).

  • Es wäre auszuprobieren, ob sich Gurken nicht durch verlängertes nächtliches Abdecken und damit Verkürzung des Tages (wie bei Weihnachtssternen) in Blühstimmung versetzen lassen. Technisch parktikabel wäre dies bei wenigen Quadrametergroßen Beständen von Feldgurken oder in Gewächshäusern, mit Beschattungs-/Verdunkelungsmöglichkeiten.

  • Die Blüte beginnt erst, wenn die Nächte über 15°C warm sind, d.h. sie ist zusätzlich temperaturgesteuert.

  • Selbstbestäubung kommt bei Gurken zwar hin und wieder vor, sollte aber nicht noch durch den Anbau weniger Pflanzen und Gewächshauskultur ohne Bestäuber gefördert werden.

  • Die Reife des Pollens erkennt man an seiner dunkelgelben Farbe. Er keimt am besten bei Temperaturen zwischen 24° und 30°C. Ab 35°C findet kaum noch eine Befruchtung statt.

  • Für die Saatgutgewinnung lässt man pro Pflanze nur einen Bruchteil der Früchte (4 – 5) ausreifen. Wobei ja hinsichtlich Gemüseernte schon ein gewisser Kompromiss gefunden werden kann, z.B. indem man Babygürkchen für Pickles erntet. Die Gurke schafft es von der Blüte bis zur Samenreife in gerad mal 8 Wochen.

  • Die Samenernte beginnt im Idealfall erst dann, wenn der Fruchtstiel anfängt, trocken zu werden und die Frucht sich natürlich abnabelt. Eine Nachreife der Früchte ist aber problemlos über 4 – 6 Woche im Haus möglich, da die Früchte selbst monatelang haltbar sind.

  • Allgemein ist die Samenreife auch am Farbumschlag der Früchte zu erkennen, z.B. werden sie sortenabhängig weißlich, gelblich oder sogar bräunlich. Ob man die optimale Reife erkannt hat, sieht man nach dem Öffnen der Frucht, wenn sich das Plazentagewebe einfach mechanisch abtrennen lässt.

  • Zur Samenernte werden die Früchte aufgeschnitten und mit einem Löffel ausgestrichen.

  • Die Samen gehen nicht kaputt, wenn man sie mit Wasser aufgießt und mit einem Mixer mit stumpfen Messern kurz durchquirlt. Der gute Samen sinkt im Gefäß nach unten und Plazentas und hohle Samen können abgegossen werden. Allerdings schwimmen fette Samen auch, wenn sie noch in der Plazenta stecken!

  • Anschließend wird nochmal in einem Sieb gespült. Wem dann der Samen noch immer zu sehr klebt, kann diesen vorsichtig mit Sand abreiben, dazu wird Samen und Sand in einer Schüssel geschwenkt und anschließend wieder durch sieben getrennt.

  • Um die Plazentas von den Samen zu lösen, kann man auch die Nassaufbereitung wählen, dazu lässt man den Samen mit Wasser ggf. unter Zusätzen von Chemikalien oder Mist (Tipp von Becker-Dillingen) gären. Die Empfehlungen aus verschiedenen Büchern gehen von "nicht länger als 24 Stunden" bis zu einer Woche Gärdauer. Meiner Erfahrung nach ist dieser Aufwand überhaupt nicht nötig, wenn die Früchte wirklich samenreif sind.

  • Man kann die Plazentas auch belassen und mit Samen einzeln auf Toilettenpapier aufkleben. Die zuckerhaltige Plazenta fördert sogar später den Bodenschluss. Allerdings ist diese Methode nur für winzig kleine Mengen praktikabel.

  • Wenn man die weiße Farbe der Samen erhalten will, trocknet man sie in milder Sonne. Sie vertragen bis 40°C beim Trocknen.

 

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