Neun gute Beweggründe Samen selbst zu ziehen

Zitat von einem Heiler evtl. von Rolling Thunder: "Wir Indianer müssen auf unsere Art arbeiten, und ihr müßt eure Aufgaben, worin auch immer sie bestehen, auf eure Wiese angehen. Wir werden euch nicht sagen, was ihr tun sollt, denn wir mögen es selbst nicht, wenn man uns sagt, was wir zu tun haben. …Und nicht alles Wissen kann in Bücher gepackt werden. Das universelle Wissen schließt nämlich die Natur, alles Leben in sich ein, und davon gibt es Zuviel, als daß man es in Büchern unterbringen könnte…. Es würde uns eine Menge weiterhelfen, wenn wir teilen könnten. (gemeint ist das Wissen von Weißen und das von Indianern) …. Wir sollten zusammenarbeiten, um das Leben für uns alle lebenswert zu gestalten. …. Wir suchen nicht den Wettbewerb und glauben nicht daran. Wir fließen im Strom der Natur, und der Geist zeigt uns den Weg – der Geist der Brüderlichkeit und Gemeinsamkeit.  …" zitiert aus STAMMEL (1986)

Es gibt viele Gründe warum man sich dem Hobby widmen sollte, die eigen Samen und das auch noch aus Gemüsearten zu ziehen.

Viele dieser Gründe haben ihren Ursprung in einer sozialen oder politischen Einstellung. Viele Argumente beinhalten dabei ein "gegen".

Ich habe für mich beschlossen, aus dieser permanenten Gegnerschaft auszubrechen, ich will "für" etwas sein, eine Fördererin.

Ich hoffe, dass es Ihnen ähnlich geht und dass Sie aus den aufgeführten Argumenten, Kraft und Mut für ehrliche Züchtungsarbeit schöpfen können.

Erstens, treibt Dich nicht auch die Sammlerleidenschaft an:

Sortenvielfalt begeistert einfach, mit ihren unzähligen Farb-, Form und Geschmacksvariationen,
und das beispielsweise innerhalb einer Art, z.B. den Tomaten oder die Vielfalt der Samen der Hülsenfrüchtler.

Zweitens, wer liebt keine Exoten:

Mal ehrlich, wir alle bauen gerne Dinge an, die nicht jeder kennt.

Bei mir fing das vor Jahren mit Topinambur an und hört heute mit Yacon noch lange nicht auf. 

Und wer weiß, ob da nicht auch erfolgreiche Gemüse für den Klimawandel mit dabei sind:

Heute Exot morgen Trend.
Drittens gelingt es uns hin- und wieder wirklich "Altes" zu bewahren:

Die zweifarbige Feuerbohnensorte meiner Schrebergartennachbarin begleitet mich nun seit über 15 Jahren.

Bewahren möchte ich nicht allein die Sorten, sondern auch deren Geschichten, die eng mit unseren „historischen“ Landbautechniken, Ernährungsgewohnheiten und Traditionen verbunden sind.

Ein Beispiel dafür aus meinem Garten ist die Bamberger Melde und vielleicht wage ich mich demnächst an die Pfatterer Rübe ran.

Was gibt es bei Dir? Schreib es an info@coras-garten.de

Viertens, macht es Spaß zu Sparen, was hinsichtlich naturzerstörerischen Konsumverhaltens eh das beste ist:

So wie ich immer Samen in Hülle und Fülle habe, kannst Du das auch haben. Und das ganz kostenlos. So viel, dass man die Samen verschenken und eintauschen muss oder damit experimentieren kann:

Ob zu Aussaatversuchen oder weil Proben zum Vergleich zurück behalten werden. Ich kann meine eigenen Auberginen-Veredelungs-Unterlagen heranziehen und brauche diese nicht für teures Geld (teils ein-Euro-ein-Samen) kaufen.  Du kannst das genauso.

Auf diese Weise macht unser Geiz ein Stückchen weit auch noch autark, d.h. unabhängig von der Saatgutindustrie.

Fünftens, experimentiere nach Lust und Laune:

Denn wenn das Wissen in Konzernzentralen gebunikert wird, dann muss ich es neu generieren.
Mich reizt die Neugier, wie denn ein Kreuzungsprodukt aussieht. Egal ob dann irgendwann eine eigene Haussorte dabei rauskommt oder "nur" die Formenvielfalt im nächsten und übernächsten Jahr. Für gewissenhafte Sortenerhalter undenkbar, möchte ich Paprika-Chili und eigenen Zierkohl. Dabei kann ich mir dann auch Techniken aneignen, wie das händische Bestäuben (nicht nur bei Zucchinis).

Sechstens, begeistert Dich die wundervolle Natur:

Gemüse entfaltet seine erste Schönheit, wenn es für uns genussreif ist, dann lässt es uns das Wasser im Mund zusammenlaufen. Aber wenn es blüht, dann zeigt ein jedes auf seine Weise, dass es unsere Aufmerksamkeit verdient, wie perfekt es ist, wie unabhängig es sein könnte. Manch ein Gemüse ist als Zierpflanze zu uns gekommen und wird im Herkunftsland gegessen, so z.B. die Taglilie und die Kapuzinerkresse. Aber auch die Feuerbohne und selbst die Kartoffel fanden über den Ziergarten, also ihr Aussehen ihren Weg auf unsere Teller. Und ein blühender Meerrettich betört meine Nase und nicht nur meinen Geschmackssinn. Dazu nährt er unsere Nutzinsekten erst in der Blüte mit Nektar und Pollen und sorgt so auch wieder für Alle Gartengeschöpfe und für Vielfalt. Einige Gemüse duften in der Blüte, teils sehr intensiv schwer, süßlich oder fruchtig, würzig, einfach sinnlich lecker… damit wären wir beim nächsten Grund

Siebtens, Dein guter Geschmack:

Der Geschmack der aus meiner Ahnengeschichte, aus der Steinzeit kommt und meinen Vorfahren schon gesagt hat, was gut für sie ist… Diesen Geschmack suchst DU hoffentlich auch.


Bei Wein, Tee und Bier ist es für uns selbstverständlich, dass jede Sorte anders schmeckt und dass dies einerseits an der Sorte und anderseits auch am Boden und an der Verarbeitung liegt.

Es geht nicht allein um das Rezept, es geht auch um die Wahl der Lieblingssorte, denn eine jede Karotte oder Kartoffel schmeckt anders und passt deshalb besser zum einen oder anderem Gericht. Wahrscheinlich ist unser guter Geschmack auch ein Indikator für Gesundstoffe, nur, dass wir nicht mehr den Mut haben uns auf diesen zu verlassen und stattdessen Labors trauen.

Achtens, werde zum Biopiraten und damit autark:

Ich bin Stolz darauf mich nach Bedarf ein Stückchen unabhängiger gemacht zu haben, und ganz nebenbei noch die Qualität von meinen geernteten Gemüse wie Samen steigern zu können. Ich hoffe Dir geht es genauso.

Denn eigenes Saatgut ist frisch. Ich habe es selbst in der Hand es optimal zu lagern und erziele damit eine hohe Keimkraft. Wie oft bin ich da schon von teuer gekauftem Saatgut enttäuscht worden. Und auch die Gesundheit habe ich in der Hand, d.h. ich beurteile selbst, ob mein Saatgut mit Pilzen oder Käfern in Kontakt gekommen ist und sortiere selbst aus. Wie oft habe ich ein Tütchen aufgerissen und darin Schädlinge mit bezahlt!

Neuntens, Bequemlichkeit

Und wer glaubt, ich sei besonders fleißig, der irrt, denn ich fröne oft der Bequemlichkeit. Entschleunigen.
Etwas bewusst versamen lassen, bringt mir Ernten ohne die Arbeit des Umgrabens. Und Gemüse solange stehen lassen, bis es blüht und fruchtet heißt, dieses Stückchen Erde lange sich selbst zu überlassen. Der Garten arbeitet dann für mich. Ganz anders als in der modernen Landwirtschaft, wo die hohen Erträge nur bei intensiver Pflege also vielen Arbeitsgängen (Hacken-Spritzen-Düngen…) erreichbar sind.

Tu es mir nach!